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1967: „Urbanität durch Dichte“

4.600 Wohnungen, Häuser mit bis zu 22 Stockwerken, auf einer Fläche von 44 Hektar – so sehen die Pläne für Osterholz-Tenever aus. Am Rande Bremens soll ein „Demonstrativbauvorhaben“ entstehen: Eine Vision des Wohnungs- und Städtebaus der Zukunft mit Modellcharakter für die ganze Republik. Ein neuer Stadtteil mit Wohnraum für die wachsende Bevölkerung Bremens – man rechnet mit 800.000 Menschen für das Jahr 2000.

Beteiligte sind die Neue Heimat Bremen, die Nordwestdeutsche Siedlungsgesellschaft und das Nürnberger Städtebauinstitut (SIN) unter der Leitung von Professor G.G. Dittrich. Das Bundesbauministerium unterstützt das Demonstrativbauvorhaben. Auftraggeber sind die Stadt Bremen und der Bund.

 
 

1972: Kritik und reduzierte Fassung

Die Rohbauten des ersten Bauabschnitts stehen – schon wird Kritik laut: Als „Klein-Manhattan auf der Wiese“ mit seinen „Betonmonsterbauten“ wird das Projekt abgelehnt. Zugleich stagniert die Einwohnerzahl Bremens statt wie prognostiziert stetig zu wachsen. Bausenator Hans Stefan Seifritz stoppt die Bauarbeiten und verordnet eine Denkpause.

In der Folge wird das Bauvorhaben reduziert. Gebaut werden lediglich 15 Gebäude, Z-förmig um Innenhöfe gruppiert, mit 2.653 öffentlich geförderten Wohnungen. Mit Kommunikationsebenen für die Bewohner, mit „Sonderwohnformen“ etwa für alte und behinderte Menschen oder für Alleinerziehende und Alleinstehende. Die Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 45 und 140 Quadratmeter groß. Innerhalb von fünf Jahren ist ein reines Wohngebiet für 7.700 Bewohner entstanden, das verkehrstechnisch völlig auf das Auto ausgerichtet ist.

1977: Negative Entwicklung

Osterholz-Tenever ist fertig. Das Versorgungs- und Freizeitangebot mit Altenbegegnungsstätte, Hallenbad und Jugendfreizeitheim, mit Ärztehaus, Einkaufszentrum und Marktplatz ist gut – doch die Kritik bleibt. In den Hochhäusern herrscht statt nachbarschaftlichem Miteinander eher anonymes Nebeneinander. Steigende Mieten und Fluktuation, Vandalismus und Kriminalität, dazu die extreme Randlage ohne ausreichenden Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr verstärken das negative Image. Insbesondere einkommensstarke Familien verlassen das Quartier. Es kommt zu diversen Eigentümerwechseln und ersten größeren Leerständen. Die Gettoisierung droht.

 
 

80er Jahre: Nachbesserung und Konsensprinzip

Die Stadt reagiert. Um der negativen Entwicklung gegenzusteuern, ruft der Senat Förderprogramme zur Stadtteilerneuerung ins Leben. 1989 wird Tenever in das Förderprogramm „Nachbesserung von Großsiedlungen des Sozialen Wohnungsbaus“ aufgenommen, von 1992 bis 1996 in das EU-Pilotprojekt „Regionale Entwicklungsagentur Tenever“ (REAG), 1999 in das Programm „Wohnen in Nachbarschaften (WIN) – Stadtteile für die Zukunft entwickeln“.
Die Entscheidungen über geplante Nachbesserungen und die Verwendung der Fördermittel werden nach dem Konsensprinzip getroffen: Dabei sitzen alle betroffenen Akteure an einem Tisch – Bewohner und Eigentümer, Vertreter aus sozialen Einrichtungen, Initiativen und Vereinen, aus Wohnungsverwaltung und Kommunalpolitik.

 
 

90er Jahre: Krause kauft

Deutschland ist wiedervereinigt, Osteuropa geöffnet – das sorgt für eine angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt und auch in Tenever wieder für Vollvermietung. Der Hannoveraner Architekt Lothar Krause kauft 53 Prozent der Wohnungen. Damit besitzt er 1.416 Wohnungen, die GEWOBA 847, andere Eigentümer 386.

1996: Insolvenz, Zwangsverwaltung und Leerstand

Krause meldet Insolvenz an – damit gehen die Wohnungen des Mehrheitseigentümers in die Zwangsverwaltung durch vier Gläubigerbanken. Die Folge: Die so genannten „Krause-Bauten“ werden weder instand gehalten noch modernisiert. Sie verfallen und können zum größten Teil nicht mehr vermietet werden. Der Leerstand in diesen Häusern entwickelt sich von 1998 bis 2003 von sieben auf 51 Prozent. Zum Vergleich: Lediglich 13 Prozent der GEWOBA-Wohnungen standen zum gleichen Zeitpunkt leer.
 
OTG Osterholz-Tenever-Grundstücksgesellschaft mbH & Co. KG
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